Unkrautecken mit Mehrwert für die Insekten.

Bösel. Ob Unkraut, Altholz, Sandhaufen oder Blühfläche: Über 400 niedersächsische Höfe beteiligen sich bisher mit einfachen Maßnahmen zum Insektenschutz an der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt 2022“ die auf dem Hof Kurmann in Bösel vorgestellt wurde. Interessierte Landwirte können sich bei ihrem regionalen Kreislandvolkverband noch bis zum 21. Juni zur Aktion qualifizieren.

Insekten sind für die Landwirte in ihrer täglichen Arbeit und auch für unser aller Leben unverzichtbar. Für gute Ernten und die ökologische Artenvielfalt von Pflanzen ist es daher unerlässlich, den Insekten den Lebensraum einzuräumen, den sie verdienen.

Neben Unkrautecken, Feldsteinhaufen, Sandhaufen oder rottendem Altholz umfassen die mit dem LAVES Institut für Bienenkunde in Celle abgestimmten Maßnahmen der Aktion auch Möglichkeiten zum Insektenschutz auf den Ackerflächen, wie Blühflächen oder die Extensivierung von Grünland. Auch der Dialog zwischen Landwirtschaft, Imkern und Naturschutzverbänden wird in der Aktion „Bienenfreundlicher Landwirt“ honoriert.

Der Hof Kurmann in Bösel setzt viele dieser Maßnahmen um und darf sich deshalb bereits zum vierten Mal als „Bienenfreundlicher Landwirt“ bezeichnen.

Neben den Maßnahmen zum Schutz der Wildbienen setzt die Initiative vor allem auf den Dialog von Landwirtschaft und Naturschutz. „Für ein gutes Miteinander zwischen Landwirten und den Akteuren im Naturschutz in unserer Kulturlandschaft ist ein Austausch zwischen allen Beteiligten unabdingbar. Was auf politischer Ebene durch den „Niedersächsischen Weg“ bereits erfolgreich praktiziert wird, möchten wir auf regionaler Ebene ebenso etablieren. Der Bienenfreundliche Landwirt ist hierfür eine hervorragende Möglichkeit, die Leute an einen Tisch zu bekommen“, meint Jörn Ehlers als Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolks, der ebenfalls an dem Termin teilnahm.

Mit Sorge werden auch die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine betrachtet. Im Rahmen der nicht absehbaren Ernteausfälle im Kriegsgebiet ist es wichtiger denn je, möglichst viele Nahrungsmittel zu erzeugen. Der Bienenfreundliche Landwirt zeigt auf, wie freiwillig viele nützliche Maßnahmen für den Insektenschutz umgesetzt werden können. „Unsere Landwirte sind sich der aktuellen Situation bewusst und möchten möglichst viel dazu beitragen, ihren Job auszuführen und die Ernährung zu sichern. Pauschale Stilllegungen von 4% Ackerfläche verfehlen hier das Ziel zum Schutz unserer Natur. Unsere Landwirte wissen selbst am besten, welche ihrer Flächen für die Erzeugung von Nahrungsmitteln genutzt werden können oder welche für den Naturschutz genutzt werden sollten. Hier wünschen wir uns mehr Beinfreiheit von der Politik“, so Arnd von Hugo als Sprecher des Vereins „Eure Landwirte – Echt grün e.V.“.

Im Rahmen des Pressegesprächs stellte Josef Kurmann den Anwesenden seine Maßnahmen auf der Hofstelle vor. Auf dem angrenzenden Feld zeigte er die Aussaat einer Blühfläche durch seine Auszubildenden.